17
Okt

Ingenieursbarbies: Deutschland braucht Frauen als Innovationsmotor

Seit August gibt es auf dem Spielzeugmarkt eine Barbie als Robotik-Ingenieurin. Doch im wahren Leben fehlen der Industrie weibliche Eigenschaften, behauptet ein Personalexperte für Technik.

18 %, das ist der Anteil von erwerbstätigen Frauen in Ingenieursberufen (Mikrozensus 2014). Schon im Grundschulalter werden Kinder so sozialisiert, dass Fünftklässlerinnen sich in naturwissenschaftlichen Disziplinen für weniger begabt halten (DIW Berlin 2017) als gleichaltrige Jungen. Seit kurzem fördert der Spielzeughersteller Mattel mit seiner Ingenieursbarbie laut eigenen Angaben „das Interesse von Mädchen für MINT-Fächer“.

Doch bis die Kinder von heute ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben, werden die männlich dominierten Ingenieursteams weiterhin durch das Fehlen von Frauen gebremst. Denn, so meint ein Personalexperte, mehr Frauen können die Kreativität und das Wohlbefinden in der technischen Arbeitswelt deutlich steigern.

Die deutsche Industrie könnte mit mehr Frauen besser bei innovativen Technologien sein

Reine Männerteams leiden nicht selten unter ihrem schroffen Umgang, weiß der Personalberater Georgios Papanikolaou. Der Spezialist für Technik-Persönlichkeiten bedauert den Mangel an weiblichen Mitarbeitern in Ingenieursberufen. Denn die Anwesenheit von Frauen bewirke nicht nur einen respektvolleren Ton in der Arbeitsumgebung, sondern auch einen größeren Blickwinkel für Aufgaben und damit kreativere Lösungen. Das hält der Personalberater vor allem in Hinblick auf die zukunftsweisenden Technologien wie künstliche Intelligenz oder Robotik für unerlässlich. Er geht davon aus, dass ein größerer Anteil an Frauen die Industrie in Deutschland enorm nach vorne bringen könnte. Für gemischte Teams spricht sich auch Prof. Dr.-Ing. Kira Kastell, Vorsitzende des VDI-Netzwerks Frauen im Ingenieurberuf, aus: „Divers aufgestellte Mitarbeitende finden bessere Lösungen für komplexe Probleme als homogene Gruppen. Potenziale lassen sich am besten ausschöpfen, wenn sich eine Gruppe wertschätzend verhält, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder körperlichen Beeinträchtigungen.“

Die weibliche Herangehensweise ist ebenbürtig und wichtig

Eines der vorherrschenden Glaubenssätze über Ingenieursberufe: Es gehe nur um analytisches Denken und Technikverständnis. Eine repräsentative Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die mehr als 2.000 SchülerInnen und Studierende an deutschen (Hoch-)Schulen befragt wurden, belegt dies: Die Befragten nannten neben mangelndem Interessen und der Schwierigkeit der Ausbildung vor allem die fehlende Kreativität der Fächer (22 Prozent Studierende/ 21 Prozent SchülerInnen) als Grund, sich gegen ein MINT-Fach zu entscheiden. Personalberater Papanikolaou widerspricht dem Klischee: „Um als Ingenieur oder Informatiker innovativ zu sein, ist Kreativität enorm wichtig. Ideen und Lösungen entwickelt man nicht durch schematisches Denken oder Programmieren. Die Frauen in Entwicklungsteams bringen weibliche Perspektiven und Herangehensweisen mit, die vielleicht anders sind als männliche, aber absolut ebenbürtig.“ Gerade in Zeiten der rasanten Bewegungen bei neuen Technologien würde Papanikolaou gerne mehr Frauen für Ingenieurspositionen rekrutieren. Möglicherweise wird das leichter in Zukunft, denn 23% aller Studierenden, die im Wintersemester 2017/2018 in einem ingenieurwissenschaftliches Fach eingeschrieben waren, sind weiblich. Ob die Ingenieursbarbie eine Veränderung im Denken der kleinen Mädchen hervorrufen wird, bleibt abzuwarten – zumal es das Spielzeug nur ein Jahr lang auf dem Markt geben soll.

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