13
Nov

Im Technik-Job und kein Mann: Erfolg geht auch anders

Eine Frau berichtet von ihren Erfahrungen mit männlichen Kollegen in der Technikwelt. Ihre weibliche Arbeitsweise trifft immer wieder auf Unverständnis – trotz offensichtlicher Erfolge. Mit einem Anteil von 15 Prozent der Beschäftigten sind Frauen in MINT-Berufen die Ausnahme (Bundesagentur für Arbeit 2016). Was das für das Arbeitsumfeld bedeuten kann, erlebt die Vertriebsspezialistin Elisabeth Meidl jeden Tag.

Die einzige Frau unter lauter männlichen Kollegen verantwortet den Vertrieb eins Herstellers von Spezialfolien für Bayern und ganz Österreich. Dass sie das technische Knowhow für ihre Arbeit mitbringt, stellen Kollegen wie Kunden immer wieder in Frage. Sich erklären muss sie sich aber vor allem zu ihrer Vorgehensweise, denn diese unterscheidet sich von der männlicher Kollegen. Die Reaktionen schwanken zwischen Missgunst, Bewunderung und sexuellen Avancen.

 

Langjährige Erfahrung plus weibliche Fähigkeiten für den Erfolg

Offene Diskriminierung ist im Berufsalltag von Elisabeth Meidl eine Ausnahme, doch sie ist schon vorgekommen. So unterstellte ihr ein Kollege einmal, ihrer Aufgabe nicht gewachsen zu sein und sprach ihr technisches Wissen ab: Begründung: „Frauen können das nicht.“ Als sie ihn mit ihren Leistungen überholte, diffamierte er sie öffentlich. Die Firma zog schließlich die Reißleine und trennte sich von ihm. Zum Glück ist das die Ausnahme für Meidl, die seit gut einem Jahr für ein Unternehmen im Vertrieb als technische Beraterin tätig ist. Seit 28 Jahren arbeitet sie schon in männlichen dominierten Umfeldern für Firmen im technischen Anlagenbau und in der Verpackungsindustrie. Solch schlimme Probleme aufgrund ihres Frauseins hatte sie sonst nicht erlebt, aber im Job anders betrachtet zu werden ist für sie Alltag: „Man muss definitiv mehr leisten als Frau um sich zu beweisen. Anders als bei den männlichen Kollegen stellen bei mir zum Beispiel erst einmal viele in Frage, dass ich mich mit den Maschinen meiner Kunden auskenne.“ Andere Mitarbeiter seien anfangs auch darüber erstaunt gewesen, wie rasch und selbstverständlich sie mit potentiellen Kunden in intensiven Kontakt kommt und waren von ihrer direkten Vorgehensweise teilweise irritiert. Meidl selbst macht neben ihrer langjährigen Erfahrung in Gesprächsführung vor allem Fähigkeiten für ihren Erfolg verantwortlich, die sie bei Frauen für stärker ausgeprägt hält als bei Männern: Zuhören können und Einfühlungsvermögen. Zwar glaubt sie nicht, dass Frauen im Vertrieb unbedingt besser sind, ihre Herangehensweise sei aber eben eine andere – und der der Männer ebenbürtig.

 

Die geschlechtliche Seite immer mitdenken

Diese Aussage unterstützt auch Georgios Papanikolaou, Personalberater für die Technik-Branche. Er hat Elisabeth Meidl ihre derzeitige Position vermittelt. Sein Credo: Menschen sollten dort arbeiten, wo sie ihre persönlichen Talente und Vorlieben einsetzen dürfen und nicht nur ihre Qualifikationen auf dem Papier. „Frauen“, so der Experte, „sind in Vertriebspositionen oft stark, denn sie bringen häufiger als Männer die notwendige Empathie mit, um ihr Gegenüber zu einem offenen Gespräch zu bewegen. Und vor allem haben sie Spaß daran.“ Technische Beratung und Vertrieb machen der Mittvierzigerin aus dem niederbayerischen Ortenburg großen Spaß, auch wenn sie in dieser Männerwelt immer wieder einmal genötigt ist persönliche Grenzen zu stecken. So setzt sie bewusst nicht auf Kleidung, die offensichtlich von ihrer Kompetenz ablenken könnte. Denn immer wieder bekommt sie eindeutige sexuelle Angebote von Männern aus ihrem beruflichen Umfeld. Dies auch schon einmal so vehement, dass nichts mehr half als ihren Chef einzuschalten. „Man muss die geschlechtliche Seite immer mitdenken“, so Elisabeht Meidl. „Das ist unterschwellig bei allem was ich tue und wie ich es tue ein Thema.“ Dennoch fühlt sie sich in ihrem Job vollkommen wohl und geht darin auf. Anderen Frauen in maskulin geprägten Teams rät sie zu Selbstbewusstsein und dazu, sich nicht unter Druck setzen zu lassen: Auch wenn die Männer eine andere Vorgehensweise bevorzugten, sollte eine Frau auf ihren eigenen weiblichen Weg vertrauen, wenn er sie zum Erfolg führt.

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